Überall glitzert es, der Keksduft in der Nase, Heimeligkeit allerorten. So soll er sein, der Advent und Weihnachten auch. In unseren Köpfen zumindest. Die Wahrheit? Stress im Einkaufszentrum, geschmückt ist zuhause noch gar nichts, leere Keksdosen und die Idee für das perfekte Geschenk will sich nicht einstellen. Als wäre das noch nicht genug, spielen verklärte Vorstellungen von Weihnachten, wie es früher angeblich war, einen Streich.
„Weihnachten ist zum wichtigsten Fest geworden, da packt man viele Emotionen hinein“, sagt Susanne Savel-Damm. Bei ihrer Arbeit als Ehe- und Familienberaterin merkt sie, wie schnell diese Emotionen zu unerfüllbaren Erwartungen und damit zu Stolpersteinen für das gelungene Fest werden können. Erst ist ein junges Paar allein, dann kommen Kinder dazu. Das bedeutet neue Herausforderungen. „In dem Moment ändert sich etwas, die junge Familie stellt sich Weihnachten plötzlich anders vor, als die Großeltern, das kann zu Konflikten führen.“ Was hilft? „Offen mit allen Beteiligten reden“, rät Savel-Damm. Die großen Gewohnheiten und Festbestandteile sollten schon im Vorfeld gut besprochen werden. „Es geht darum, den Erwartungsdruck zu reduzieren. Das junge Paar sollte die Herkunftsfamilien nicht zu sehr bestimmen lassen.“
Das Gleiche gelte für Geschenke. Da komme es in manchen Familien zu wahren Geschenkemarathons. „Im Vorfeld mit allen reden, realistisch bleiben und überlegen, was gerade Kinder wirklich brauchen“, findet die Familienberaterin.
Sind die Kinder groß, ändert sich wieder alles. „Weihnachten ist ein Fest der Liebe. Gott liebt uns Menschen, damit ist es ein Beziehungsfest. Wenn ich als Familie diesen Wert und diesen Kern feiern will, feiere ich anders, als ein Konsumfest, bei dem es nur ums Schenken geht.“ Wer diesen Sinn in seinem Herzen trägt tut sich mit Veränderungen viel leichter. Da kann der Christbaum kleiner ausfallen, das Essen einfacher sein und der Besuch der Christmette zentraler werden als früher.
Fünf Tipps gibt Susanne Savel-Damm noch mit: Zum einen ist das Selbstfürsorge, das kann ein Innehalten und Teetrinken sein, während draußen der Advent tobt. Ein weiteres Stichwort ist für sie Reduktion, sich überlegen, was man wahrnehmen will und was man zum Beispiel an Veranstaltungen weglassen kann. Überschneidungen gibt es da zum dritten Punkt: der Priorisierung. Das könnte so aussehen, dass man für sich drei wichtige Punkte für Advent und Weihnachten festlegt. Kekse sind nicht darunter? Dann können sie weg.
Trotzdem bleibt noch viel zu tun, da hilft als vierter Tipp Aufgabenverteilung. Als letzten Punkt nennt Susanne Savel-Damm vorbereitende, offene und ehrliche Gespräche. Damit lassen sich viele Konflikte vermeiden. Advent und Weihnachten werden zu einer entspannten Zeit voller Freude über die Geburt Christi.
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