Komplimente sind ein Ausdruck von Wertschätzung und so wichtig, weil jede und jeder Wertschätzung will und braucht. Wertschätzung ist die emotionale Muttermilch, die bestärkt und motiviert“, erklärt der renommierte Psychiater Reinhard Haller.
Dennoch sind nette Worte an Partner, Familienmitglieder, Freunde oder Mitarbeitende eine Mangelware. Kaum jemand ist bereit, Wertschätzung zu geben. Doch unsere Gesellschaft würde sie mehr denn je brauchen. Gesellschaftliche Ich-Bezogenheit und Digitalisierung – oft fehlt ein empathisches Gegenüber in der Kommunikation – sind für Reinhard Haller zwei Gründe für diese Blockade unserer Zeit: „Viele brauchen die Komplimente für sich selbst und haben für andere keine mehr“, zeigt er auf.
Fakt ist: Wertschätzung und Komplimente kommen zu selten über die Lippen. Dabei sind Worte kostenlos, man muss das Komplimente-Machen nicht erlernen und braucht nichts aus dem Internet herunterladen. „Wenn wir davon ausgehen, dass jede und jeder Komplimente erwartet und wir dem Rechnung tragen wollen, animiert uns das, welche zu machen. Dafür braucht es nur etwas Fantasie und eine wohlmeinende Haltung“, motiviert Reinhard Haller. Einzig inflationär dürfen Komplimente nicht sein, damit sie authentisch und glaubwürdig bleiben sowie ehrlich ankommen.
Komplimente sind die einfachste und billigste Wertschätzung. Jeder kann Komplimente machen und damit andere motivieren.
Der Vorarlberger Reinhard Haller ist Psychiater, Psychotherapeut, Neurologe, Gerichtsgutachter sowie ein bekannter und erfolgreicher Sachbuchautor.
Komplimente kann nur jemand geben, die oder der einen hohen Selbstwert hat und anderen davon gibt. Sie werden maßlos unterschätzt, setzen aber einen positiven Kreislauf in Gang: „Sie stärken die Beziehung, verändern den Selbstwert positiv und erhöhen die Lebensfreude. Wertschätzung kehrt immer zurück – sogar mit Zinsen!“, ist Haller überzeugt.
Ein Patentrezept für gute Komplimente gibt es nicht – und soll es nicht geben. „Wir können uns sensibilisieren, eine wertschätzende Grundhaltung angewöhnen und im Alltag (nicht nur am Festtag) sowie im Beruf gezielt – nicht zu selten – individuell zugeschnittene und von Herzen kommende Komplimente verteilen“, schlägt der Experte vor. Ab und zu darf man Wertschätzung auch aktiv einfordern. Zum Beispiel mit einem: „Was sagen Sie dazu? Sind Sie mit meiner Leistung zufrieden? Wie gefällt Ihnen das, was ich hier gemacht habe?“
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