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Salzburg. Jedes dritte Salzburger Kind zwischen 4 und 14 Jahren hat Übergewicht – in absoluten Zahlen sind das 20.000 Betroffene. Weitere 8.000 Kinder und Jugendliche sind adipös, davon 2.000 extrem adipös und zum Teil in stationärer klinischer Behandlung. Das ergab eine aktuelle Erhebung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde im Salzburger Landeskrankenhaus.
Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ist ein komplexes Phänomen – an der Schnittstelle einer Vielzahl von Disziplinen und Ansätzen. Dazu zählen Medizin, Psychologie, Ernährungs- und Bewegungswissenschaften sowie Armuts- und Ungleichheitsforschung. Entsprechend breit ist die Expertise einer Fachtagung zum Thema im Bildungszentrum St. Virgil, wo das „Übergewicht im Kinder- und Jugendalter“ aus den verschiedenen fachlichen Perspektiven beleuchtet wird. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie man in der Praxis aktiv werden kann, um möglichst vielen Kindern und Jugendlichen ein gesundes und „angenommenes“ Aufwachsen im „Spannungsfeld zwischen Übergewicht, Entwicklungschancen und sozialer Exklusion“ zu ermöglichen.
„Als Kinderarzt weiß ich, wie groß die Herausforderungen für betroffene Kinder und Jugendliche, aber auch deren familiäres Umfeld ist. Übergewicht lässt sich nicht mit dem einen ,Wundermittel‘ wegzaubern, es braucht ausgeklügelte, individuelle und ärztlich verordnete Therapien sowie begleitende sozial-pädagogische und -psychologische Projekte, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Abnehmen ist ein ,Kraftakt‘. Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema eine breitere, gesellschaftliche Akzeptanz findet. Nicht Bodyshaming, sondern Hinschauen und aktiv Arbeiten schon im Kinder- und Jugendalter hilft, um gefährliche gesundheitliche Spätfolgen im Alter zu vermeiden“, sagt Holger Förster von der AVOS (Arbeitskreis für Vorsorgemedizin Salzburg), die mit „easykids“ kostenlos ein entsprechendes Präventionskonzept anbietet (www.easykids.at).
Die Beiträge zur „Volkskrankheit“ Übergewicht sind bei der Fachtagung in St. Virgil in einen wissenschaftlichen Teil und die „Good-Practice-Panels“ gegliedert (darunter der Umgang mit vorherrschenden Körperbildern und Präventionsmaßnahmen wie Freude an der Bewegung). Die Warnung der Medizin: „Übergewicht ist die Vorstufe zu krankhafter Fettleibigkeit mit schweren Folgen für die Gesundheit.“ 60 Prozent jener Kinder, die vor der Pubertät übergewichtig waren, bleiben im Erwachsenenalter übergewichtig oder adipös. Zugehörige Krankheitsbilder reichen von Bluthochdruck über Fettlebererkrankungen, gestörten Zuckerstoffwechsel bis zur Depression.
Philosoph Gottfried Schweiger vom Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Uni Salzburg verweist auf den Zusammenhang von Übergewicht und sozialen Aspekten wie ökonomischer Benachteiligung und sozialer Ungleichheit.
Infos zur Tagung: www.virgil.at
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