Vater sein bedeutet in unserer Zeit mehr als nur das Geld nach Hause zu bringen. Von der Karenz über den Papamonat, den Familienzeitbonus bis hin zur Elternteilzeit und der Pflegefreistellung – die Möglichkeiten für Männer, sich einzubringen, sind vielfältig.Was früher als Schwäche galt, stärkt heute die Verbundenheit in der Familie und die Beziehung.
„Das Ergebnis einer vom Katholischen Familienverband in Auftrag gegebenen Integral-Studie zeigt, dass die Väterbeteiligung nicht zuletzt von der Einkommenshöhe, vom Bildungsniveau und vom sozialen Umfeld abhängt. Deshalb sind niederschwellige Angebote im Vater-Kind-Programm oftmals hilfreich, um der Väterbeteiligung eine Brücke zu bauen“, sagt Andreas Oshowsky von der Katholischen Männerbewegung Salzburg. Die Studie zeige die Vielfalt der Väterbeteiligungen. Trotzdem bleibe noch viel zu tun. So weise die Studie auch darauf hin, dass nach wie vor eine große Diskrepanz zwischen der Bekanntheit der Väterbeteiligungen und deren Annahme besteht. Als konkretes Beispiel hat der Papamonat eine Bekanntheit von 91 Prozent, genutzt werden allerdings nur 14 Prozent. Ein Blick in die Studie zeigt, dass insgesamt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei mehr als der Hälfte der Befragten (55 Prozent) beim Job beziehungsweise der Jobauswahl wichtig ist. Pflegefreistellung wird am häufigsten in Anspruch genommen, gefolgt von Kinderbetreuungsgeld und Karenz.
Lediglich eine Minderheit wählt das freiwillige Pensionssplitting oder die Berücksichtigung von Erziehungszeiten für die Pension. Finanzielle Gründe sind das Hauptmotiv, warum Väterbeteiligungsangebote nicht genutzt wurden.
„Das Vater-Kind-Programm, bei dem Männer auch zu diesem Thema ins Gespräch kommen, steht allen offen. Die Katholische Männerbewegung bietet darüber hinaus in Salzburg aktuelle Beratungen an, die auf die Väterbeteiligung hinweisen und zudem auf die Fragen und Bedürfnisse von Vätern zu diesem Thema eingehen – auch in Gesprächen untereinander“, erklärt Oshowsky.
RB: Hat Sie ein Ergebnis der Studie überrascht?
Gruber: Was mich überrascht hat, ist die Tatsache, dass so viele Väter bei der Jobwahl auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf achten. Das Familienleben nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, steht nach wie vor hoch im Kurs.
RB: Was hat sich in den vergangenen Jahren zu diesem Thema verändert?
Gruber: Für viele Väter ist es heute eine Selbstverständlichkeit, sich an der Erziehungs-, Betreuungs- und Hausarbeit zu beteiligen. Das war früher sicher anders.
RB: Wozu werden die Ergebnisse der Studie verwendet?
Gruber: Ausgehend von diesen Studienergebnissen, finden wir es wichtig, Vätern zusätzliche interessante Angebote zur Beteiligung an der Erziehungs- und Betreuungsarbeit zu machen. Wir arbeiten gerade an einem „Partnerschaftsmodell der Kleinkindbetreuung“, um Väter stärker in die innerfamiliäre Kleinkindbetreuung einzubinden.
RB: Gibt es besonders prägnante Punkte in der Studie?
Gruber: Drei von fünf Vätern wünschen sich mehr finanzielle Unterstützung, damit sie, zumindest für eine gewisse Zeit, stärker für Kinder und Familie da sein können. Dass derzeit nur 14 Prozent aller Väter den Papamonat nützen, finde ich sehr schade.
RB: Liegen Vergleichszahlen zu den vergangenen Jahren vor?
Gruber: Eine EU-Erhebung aus 2015 gibt an, dass vor acht Jahren drei bis vier Prozent der österreichischen Väter eine Karenzzeit in Anspruch nahmen.
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