In einem Monat bin ich mit meiner Ausbildung zur Pflegeassistentin fertig“, strahlt Augustina Patric übers ganze Gesicht. Ihr vierjähriger Sohn Amaris ist mit dabei, als sie ihre Geschichte erzählt. Sie beginnt mit der Flucht aus ihrer Heimat Nigeria, zu Fuß war sie zwei Jahre lang unterwegs. 2015 landete Augustina in Österreich, lernte bald einen Mann in Wien kennen. Einen Österreicher. Die Beziehung verlief im On-Off-Modus, 2019 wurde sie schwanger. Nach anfänglicher Freude beim Kindsvater kamen in dessen Familie Zweifel auf, ob Augustina überhaupt die Wahrheit sagen würde. Die Mutter ihres Freundes brachte sie zu einem Frauenarzt, der die Schwangerschaft bestätigen sollte. „Hier fingen die Probleme an“, sagt die 29-Jährige. Ihr Freund wurde gewalttätig, Augustina kam bei einer Freundin in Salzburg unter. Ohne Aufenthaltstitel, ohne Krankenversicherung. Als sie aus der Wohnung wieder ausziehen musste, schlief die junge Frau im Haus Franziskus und verkaufte die Straßenzeitung Apropos. Ihre Freundin vermittelte ihr einen Kontakt zum Verein „Last-Minute-Grace-Ministiries“. „Das ist ein kirchennaher Verein in Salzburg, der sich besonders um afrikanische Frauen kümmert.“ Als sie im Haus für Mutter und Kind ein Zimmer bekam, war sie im sechsten Monat schwanger.
„Mir sind zwei Dinge wichtig“, sagt Michaela Reitsammer, die mit einer Kollegin in 30 Wochenstunden die Frauen in fünf Unterkünften im Haus für Mutter und Kind betreut. „Erstens: jede Bewohnerin kommt mit einer Geschichte und ist in einer Notlage. Hier bekommt sie Wohnversorgung, einen sicheren Platz, wo sie zur Ruhe kommen und durchatmen kann“, fasst Reitsammer ein Hauptanliegen dieses Projekts, das von Erzdiözese Salzburg und dem Land Salzburg gestützt wird, zusammen. Als zweiten Punkt nennt sie das Absolvieren einer Ausbildung der Schwangeren und Mütter mit Kleinkindern. „Damit verhelfen wir den Frauen zu guten Chancen am Arbeitsmarkt, damit sie für sich und ihre Kinder selbstständig sorgen können.“ Seit Gründung des Hauses profitierten bereits 70 Frauen davon.
Für Augustina ging es im Haus für Mutter und Kind bergauf. Sie erreichte das Sprachniveau B2 und konnte eine Ausbildung zur Fachsozialbetreuerin und Pflegeassistentin machen, spezialisiert auf Altenpflege. Ihr Abschluss steht kurz bevor. Das bedeutet, dass sie, sobald sie einen Job hat, das Haus für Mutter und Kind verlassen und in eine Wohnung ziehen muss. „Dabei werden wir Augustina unterstützen, damit auch dieser Schritt gelingt“, verweist die Projektleiterin auf die Beratungsstelle der „aktion leben salzburg“ in der Hellbrunner Straße. Dort bekommen die Frauen auch nach dem Auszug weiterhin Unterstützung bei Behördengängen, bei der Suche nach Kinderbetreuung, einfach allem, was sie für ein gutes Leben brauchen. „Augustina hat sich reingehängt und enorm viel geschafft“, freut sich Michaela Reitsammer mit ihrer Klientin.
Kinderbetreuung, Behördengänge, Deutschkurse, Ausbildung – wir unterstützen Frauen bei allem für eine gute Zukunft.
Michaela Reitsammer, Projektleiterin Haus für Mutter und Kind Salzburg
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