Wer die Geschichte von Aida Jacanamejoy Miticanoy hört, denkt unweigerlich an „David gegen Goliath“. Die Indigene, die von ihren Lieben „Mama Aida“ genannt wird, hat ihre Stimme gegen einen internationales Unternehmen erhoben und zumindest einen Teilerfolg erzielt. Sie entschloss sich zu handeln als ihre „Mit“-Welt in Putumayo, einem indigenen Gebiet im Südwesten von Kolumbien, bedroht war.
Putumayo ist nahezu vollständig vom Amazonas-Regenwald bedeckt. In diesem schwach besiedelten Gebiet befindet sich nicht nur ein Teil der „grünen Lunge“ unserer Erde, sondern Bodenschätze wie Gold und Erdöl. Das Ökosystem gerät aufgrund des Rohstoff-Abbaus mehr und mehr aus dem Gleichgewicht und die Indigenen verlieren ihren Lebensraum. Das Land, die Tiere und Pflanzen sind den indigenen Völkern heilig. „Daher leiden auch wir, wenn das Land leidet“, sagt die 61-Jährige. Sie war als gewählte „Gouverneurin“ die erste Verteidigerin als ein Erdölkonzern in ihr Territorium mit Bulldozern eindringen wollte. Sie hätten tausende Hektar Wald abgeholzt und wie anderswo wären Bohrtürme aus der Erde gewachsen, die in einem brennenden Feuer Unmengen von CO2 in die Luft jagen.
Das wollte Aida verhindern. Sie war immun gegen alle Versprechungen, mit denen die Konzernchefs lockten. Die Indigena durchschaute, dass der kleine kurzzeitige Profit ein schlechtes Angebot ist. „Sie würden uns jetzt etwas geben, aber wenn es weg ist, wer wird für die Schäden bezahlen, die sie verursacht haben?“ Ihre Hartnäckigkeit rettete 301.000 Hektar Wald und die Zukunft ihrer Gemeinschaft.
Aida Jacanamejoy Miticanoy hat Mitstreiterinnen. Das Bewusstsein, sich für den Schutz des Regenwaldes stark zu machen, wächst. Die „Hüterinnen des Waldes und des Wassers“ bilden eine Bewegung. Ihnen zur Seite steht „Sercoldes“. Die Organisation setzt sich seit mehr als 50 Jahren für Frauenrechte und Klimagerechtigkeit in Kolumbien ein. Vor allem im Südwesten leben viele Afro-Kolumbianerinnen und -Kolumbianer sowie Indigene unter schwierigen Bedingungen. Ihr Alltag ist geprägt von Gewalt und Umweltzerstörung. Trotz reicher natürlicher Ressourcen leidet ein Großteil der Bevölkerung unter den schlechtesten Lebensbedingungen im Land. Frauen sind es, die in der ersten Reihe dafür ein- und aufstehen, das Konzept des „Buen Vivir“ („Gutes Leben für alle“) umzusetzen.
„Sercoldes“ organisiert in einer nach wie vor patriarchal geprägten Gesellschaft Seminare und Workshops zu Frauenrechten, Gleichberechtigung, Friedenssicherung, Umweltschutz und fördert den Austausch unter den Frauen. „Wir sind nicht allein. Wir sind viele“ ist das Motto, das zumindest etwas Sicherheit gibt. Kolumbien gilt als sehr gefährlich für Umweltschützerinnen und -schützer. 79 von ihnen wurden nach Angaben des Global Witness Reports im Jahr 2023 ermordet.
Trotz der Gefahr lassen sich die mutigen Frauen in Kolumbien nicht aufhalten. Und sie sind nicht ausschließlich Opfer, sie spielen eine unverzichtbare Rolle dabei, eine friedlichere und gerechtere Gesellschaft aufzubauen. Hand in Hand gehen damit Naturschutz und Klimagerechtigkeit. Dabei können die Aktivistinnen auf Frauen in Österreich zählen.
Die Aktion Familienfasttag fördert das Netzwerk, das „Sercoldes“ aufgebaut hat. „Denn Klimaschutz und Frauenschutz, das gehört zusammen“, unterstreicht Margareta Walder-Grabner, Projektverantwortliche für das Benefizsuppenessen in Salzburg. Sie verweist auf einen Punkt, der unsere Solidarität herausfordern sollte: Am stärksten leiden jene Länder und Bevölkerungsgruppen unter den Folgen der Klimaerwärmung, die am wenigsten dazu beitragen und in der Vergangenheit dazu beigetragen haben. Walder-Grabner nimmt zudem wahr, dass die Folgen bei uns oft noch als Befindlichkeitsproblem wahrgenommen werden. „Wir jammern über die Hitze im Sommer. Dabei geht es nicht nur um persönliches Wohlbefinden, sondern um ein globales Problem, das globales Handeln braucht.“
Das möchte die Katholische Frauenbewegung vorantreiben. In der Verantwortung sieht die größte Frauenorganisation Österreichs zum einen Wirtschaft und Politik: Sei es bei der Umsetzung des EU-Lieferkettengesetzes, damit es zu keinen weiteren Menschenrechtsverletzungen aufgrund „unseres“ Konsums kommt oder dem Vorantreiben einer naturverträglichen Energiewende. Aber auch die individuellen Schritte seien wichtig: angefangen beim Einkauf von regionalen und saisonalen Lebensmitteln, der Reparatur anstatt einer Neuanschaffung von Elektrogeräten bis zum Abschied von Kurzstreckenflügen.
Beim Klimaschutz im Alltag durch eine Veränderung ihres Konsums belassen es die Frauen der Katholischen Frauenbewegung (kfb) in der Erzdiözese nicht. Mit den Erlösen aus ihren Fastensuppenessen in den Pfarren der Erzdiözese unterstützen sie Frauen wie Aida Jacanamejoy Miticanoy. „Das Füreinander-Einstehen von Frauen für Frauen und die Bereitschaft sich bei der Aktion Familienfasttag einzubringen sind nach wie vor groß“, freut sich Michaela Luckmann, Vorsitzende der kfb Salzburg.
Nicht einmal in der Corona-Pandemie sei ein großer Einbruch zu verzeichnen gewesen. „Die Frauen waren unglaublich kreativ.“ So seien in dieser Zeit die „Fastensuppen to go“ ein Erfolg gewesen. Motivation bei allen Mitstreiterinnen sei sicherlich der eine Wunsch, der alle umtreibt: „Wir wollen auch unseren Kindern und Enkelkindern die Welt lebenswert hinterlassen.“
Fixpunkte in der Fastenzeit sind die Benefizsuppenessen in Salzburg und Wörgl. „Beim Auftakt im Salzburger Kapitelsaal gibt es wieder eine Suppe von Didi Maier sowie aus der Landesberufsschule Obertrum und erstmals aus einer Klasse des Ausbildungzentrums St. Josef“, macht Margareta Walder-Graber Lust aufs Dabeisein.
Teilnehmen
Benefizsuppenessen: Gemeinsam für mehr Klimagerechtigkeit am Freitag, 7. März, 12 Uhr, Kapitelsaal Salzburg, mit Erzbischof Franz Lackner.
Anmeldung: margareta.walder-grabner@eds.at
Benefizsuppenessen in Wörgl, 12 Uhr, Donnerstag, 3. April, Citycenter, mit Weihbischof Hansjörg Hofer.
Anmeldung: tania.zawadil@eds.at
Fastensuppenessen in den Pfarren
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