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„Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt, sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.“ So beschreibt der Evangelist Johannes seinen Namensvetter Johannes den Täufer. Und er fügt hinzu: „Er selbst war nicht das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“
Um sich für seinen Auftrag vorzubereiten, ging Johannes in die Wüste. Er lebte streng und konsequent, ein Mann ohne jeden Lebensstandard. Aber dieses klare, entschiedene äußere Leben ist nur das Spiegelbild einer inneren Haltung. Seine eigentliche Größe ist vielleicht in der Beschränkung auf seine Rolle, seinen Auftrag zu sehen. Er macht sich nicht größer als es ihm von Gott zugedacht ist. Als die Leute ihn fragen: „Bist du der Messias?“ da gibt er zur Antwort: „Nein, ich bin es nicht. Aber nach mir kommt einer, der größer ist als ich. Ich bin nicht wert, ihm die Schuhriemen zu lösen.“
Johannes war voll durchdrungen vom Bewusstsein, Wegbereiter des Messias zu sein. Um Jesus, dem lang ersehnten Retter, den Weg zu bereiten, ruft er zur Umkehr auf und spendet die Bußtaufe. Er macht keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, hoch und niedrig. Er redet niemandem nach dem Mund. Er verkündet keine Nettigkeiten. Seine Predigt klingt hart in den Ohren.
Und trotzdem, die Menschen kamen in Scharen zu ihm an den Jordan und ließen sich taufen. Sie wussten: Das ist kein Schwätzer. Bei Johannes merkten die Menschen: Es geht ihm nicht um Bewunderung, um Applaus. Es geht ihm nicht um sich. Umso mehr leiht er dem Freund die Stimme, dem, der nach ihm kommt und der doch ewig ist. „Er muss wachsen, ich abnehmen.“
Johannes ist der einzige Prophet, dessen Leben in das des Gottessohnes hineinragt. Er kann auf den Messias leibhaftig hinweisen: „Seht das Lamm Gottes!“
Johannes ist ganz Fingerzeig, auf Jesus weisend. „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht.“ Auch Jesus lässt sich von ihm im Jordan taufen.
Später wird Jesus selbst einmal seine Jünger fragen: „Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen? Was wolltet ihr sehen? Einen Mann in weichlichen Kleidern? Seht, die weichliche Kleider tragen sitzen in den Palästen und in den Häusern der Könige. Oder was seid ihr hinausgegangen? Was wolltet ihr sehen? Ein Schilfrohr, das der Wind hin und her weht?“ Und dann kommt ein Wort, das aus dem Mund Jesu einmalig ist: „Unter den von einer Frau geborenen ist keiner größer als Johannes der Täufer.“
Sein aufrechtes Sein, sein unbequemes Mahnen kostete Johannes schließlich das Leben. König Herodias ließ ihn enthaupten.
Was kann dieser Zeuge Christi Gläubigen heute sagen? Vielleicht doch nicht immer den leichteren Weg zu gehen, nicht lustlos, träg oder gleichgültig im Glauben zu sein.
Dafür anzufangen, öffentlich für den Glauben einzustehen, sich zu Christus zu bekennen, Mut zu haben, nicht zu tun was alle tun? Schlicht: Kontrast zu sein, unterscheidend christlich zu leben. Jede und jeder kann mit seinem christlichen Leben Jesus für alle sichtbar machen.
red/ P. Pius Kirchgessner, OFMCap
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