Salzburg. Am Feuer wärmen sich Menschen, tauschen sich aus und erfahren Geborgenheit. Mit dem Begriff „focolare“ bezeichneten italienische Bergbauernfamilien dieses Herdfeuer. Geborgenheit, Gemeinschaft, Einheit und Wärme – das sind Erfahrungen und Werte, die auch für die vor mehr als 80 Jahren von der Trientinerin Chiara Lubich gegründete Fokolarbewegung stehen. Die Bezeichnung ist Programm: Flammende Begeisterung, damit die Liebe Gottes unter den Menschen aufleuchten kann; Einheit stiften, wo Menschen oder Gruppen uneins, gespalten, isoliert sind. Die Bewegung ist in 182 Ländern vertreten. Unter den 140.000 Mitgliedern sind nicht nur Katholiken und Christen, sondern auch Angehörige anderer Religionen.
Auch in der Erzdiözese Salzburg gibt es eine entsprechende Gruppe von Priestern. „Für die Spiritualität der Fokolarbewegung charakteristisch ist unter anderem auch die Ausrichtung auf ein bestimmtes Bibelwort, das so genannte Wort des Lebens“, sagt Prälat Matthäus Appesbacher, der seit 1963 Teil der Bewegung ist. Dieser kurze Text aus dem Evangelium wird gemeinsam mit einem Kommentar Chiara Lubichs den Mitgliedern der Bewegung als Lebensmotto gegeben. Aus der Ausrichtung am Wort Gottes und an seinem Willen folgt die Betonung der Liebe zum Mitmenschen und der gegenseitigen Liebe, die zur Einheit führt. „Diese ständige Hinwendung an das Liebesgebot aus dem Wort Gottes hat mir in meiner Arbeit vor allem auch als Rektor des Schulamts und Inspektor für den Religionsunterricht sehr geholfen“, stellt der mittlerweile 85-jährige Priester fest.
Mit anderen Priestern hat Appesbacher gerade die Tagung von 120 Priestern der Bewegung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil organisiert. Dabei haben Theologinnen und Theologen wie Regina Polak und Roman Siebenrock über aktuelle Fragen der Synodalität in Bezug auf die Spiritualität der Gründerin diskutiert. „Vieles, was als synodale Methode heute sehr modern wirkt, ist bei uns schon lange auf der Tagesordnung, wie zum Beispiel das methodische Zuhören“, erklärt Appesbacher. Dabei gilt ein Wert als Prinzip und Ziel aller Anstrengungen: Das tiefste Anliegen Gottes sei die Einheit, so formulierte es Chiara Lubich. Diese Einheit, die in der Schöpfung angelegt ist, soll auch unter den Menschen Wirklichkeit werden.
Aktuelles E-Paper