Ein Feuerwerk am Heiligen Abend? Das gehört in Peru dazu. Bevor jedoch die Lichtfontänen den nächtlichen Sommerhimmel erleuchten, kommt am 24. Dezember tagsüber die ganze Familie zusammen. „Zu Weihnachten treffen sich alle Verwandten zum gemeinsamen Kochen und Singen. Es gibt Truthahn und Panettone“, erzählt Monica Ladinig von der Katholischen Frauenbewegung. Sie ist in Lima aufgewachsen und lebt seit 25 Jahren in Salzburg.
In ihrer Heimat schmücken die Menschen Anfang November den Christbaum aus Plastik kunterbunt und stellen die Krippe auf. Das Jesuskind wird am Heiligen Abend um Punkt Mitternacht vom jüngsten Familienmitglied hineingelegt. „Dann feiern wir die Geburt von Gottes Sohn und stoßen mit Spumante an. Zum Feuerwerk gehen wir alle hinaus und treffen dort die Nachbarn. Wir wünschen uns frohe Weihnachten und umarmen uns. Anschließend bekommen die Kinder die Geschenke, dann erst essen wir“, erzählt sie lachend. Die Präsente bringt der Weihnachtsmann. „Manchmal kann es sein, dass man ihn kurz zu Gesicht bekommt.“ Gefeiert wird in Peru die ganze Nacht.
Weihnachten, ein Freudenfest in Mexiko.
Warum in Mexiko Weihnachten schon am 12. Dezember beginnt? „An diesem Tag ist einem Jungen die Mutter Gottes erschienen. Millionen Menschen pilgern deswegen zur Basilika Virgen de la Guadelupe“, weiß Marijana Delac, Marketing- und Verlagsleiterin vom Rupertusblatt. Sie lebte 14 Jahre in Mexiko Stadt, ist mit einem Mexikaner verheiratet und Mama von zwei Kindern.
„Ab 16. Dezember werden die Posadas gefeiert. Dabei gehen Familie, Freunde, Nachbarn. von Haus zu Haus. So wird die Herbergssuche nachgestellt.“ Zum Abschluss wird die Weihnachts-Pinata in Form eines Sternes mit sieben Strahlen zerbrochen. „Jeder Strahl steht für eine Todsünde. Durch das Draufschlagen werden diese zerschlagen und die Süßigkeiten, symbolisch das Gute, kommt zum Vorschein.“ Am Heiligen Abend treffen sich die Familienmitglieder am frühen Abend. Um 22 Uhr besuchen sie die Mette, bevor alle gemeinsam essen. „Da gibt es entweder Romeritos oder Bacalao Fisch und als Nachspeise eine Torte.“ Gefeiert wird bis in die frühen Morgenstunden.
Wichtiger als der Christbaum ist in Mexiko eine große Krippe, die mit Lichterketten geschmückt wird. Die Weihnachtsgeschenke samt Rosca de Reyes und heißer Schokolade gibt es erst am 6. Jänner zu den Heiligen Drei Königen.
P. Laurent Pierre Chardey ist Pfarrer in Seekirchen am Wallersee. Der Steyler Missionar stammt aus dem westafrikaischen Land Togo. Ähnlich wie hier sei der Advent eine Zeit der Vorfreude, allerdings ohne Kekse und Tannenbaum, erzählt er. Dafür spielen Adventlieder in Togo eine große Rolle. „Sie sind sehr besinnlich und schön. Das schenkt der Zeit eine ganz andere Stimmung.“ Rorate feiern die Menschen in Togo jeden Tag. Als Kinder haben P. Laurent und seine Geschwister zu Weihnachten neue Kleider oder Schuhe bekommen. Spielzeug habe es eher nicht gegeben. Die Tradition mit dem Christkind gebe es nicht, auch einen Adventkranz hätte seine Familie erst später gehabt.
Als Weihnachtsessen gibt es eine Art Knödel aus Maismehl. „Dazu gehört eine Soße mit Fleisch, ähnlich wie Gulasch.“ Gefeiert wird Togo am Heiligen Abend die ganze Nacht, mehr oder weniger ohne Schlaf. Gegen 20 Uhr gibt es in der Kirche ein zweistündiges Konzert. Dann beginnt die Christmette und dauert bis nach Mitternacht. „Man muss sich das sehr lebendig vorstellen, es wird gesungen und gespielt. Nach der Messe bleiben die Leute noch am Kirchenplatz beisammen“, beschreibt der Priester Weihnachten in Togo. Verschiedene Gruppen sorgen dort für Speis und Trank, sowie Musik. „Das alles dauert bis in der Früh, geschlafen wird nicht!“
Die Kirche in der Pfarre Saint Martyrs de l‘Ougand Lomé-Tokoin: Hier ist die Heimat des Seekirchner Pfarrers Laurent Pierre Chardey.
In Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt mit etwa 1,46 Milliarden Menschen, variieren die Weihnachtstraditionen der Christinnen und Christen, die 2,3 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, je nach Bundesstaat.
„In meiner Heimat besuchen über 95 Prozent die Weihnachtsmesse, was die Bedeutung von Glaube und Gemeinschaft betont. Die Kirche spielt eine zentrale und prägende Rolle“, erzählt der gebürtige Inder Harrison Markose, der seit einigen Jahren Pfarrprovisor der Tiroler Pfarre Thiersee ist.
In Indien besuchen 95 Prozent der Christinnen und Christen die Weihnachtsmesse.
Sterne, Lichter, Krippen sowie Weihnachtsbäume schmücken Häuser und Kirchen. Hier die Kirche Our Lady of Assumption in der Erzdiözese Bhopal. Auch sie wird schon im Advent eindrucksvoll beleuchtet.
Bereits Anfang Dezember herrscht reges Treiben auf den Weihnachtsmärkten in Indien.
In Indien beginnen die Vorbereitungen schon Wochen vor dem 25. Dezember: Häuser und Kirchen werden mit Sternen, Lichtern, Krippen und Weihnachtsbäumen geschmückt, es herrscht reges Treiben auf den Weihnachtsmärkten. „Im Advent fasten viele, beten intensiv und besuchen die heiligen Messen mit dem Höhepunkt der Christmette, die bis nach Mitternacht dauert. Roraten gibt es in Indien nicht. Geschenke, Weihnachtskarten und liebevolle Gesten sind überall üblich.“ Großgeschrieben wird zu Weihnachten die Wohltätigkeit: „Kirchen und Organisationen veranstalten Essensausgaben, Kleiderspenden und kostenlose Mahlzeiten für Bedürftige.“ In den Familien werden zu Weihnachten Currys, Fischgerichte, gebratenes Fleisch, Schweinefleisch-Masala, Chilli Chicken und Spezialitäten wie Appams (eine Art Pfannkuchen) mit Fleisch- oder Lammcurry sowie Früchtekuchen und Rosenkekse serviert.
Wichtig ist in Indien außerdem das Singen von Weihnachtsliedern: „Gruppen, oft begleitet von einem verkleideten Weihnachtsmann (Santa Claus), der Schokolade und kleine Geschenke an Kinder verteilt, ziehen von Tür zu Tür und singen Lieder wie ‚Jingle Bells‘ und ‚Stille Nacht‘ auf Englisch und in regionalen Sprachen und kombinieren sie mit lokaler Volksmusik – ähnlich den Anklöpflern“, vergleicht Harrison Markose.
Weihnachtliches Krippenspiel unter Nachbarn in Indien.
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